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Der Darsteller Thomas Faber

Das Stück ist nah an der Realität: finster und hoffnungsvoll zugleich“
© Martine Pinnel

Schon bald werden die Rotondes die Premiere ihrer neuesten Produktion Wellbeing – Mental Noise feiern. Dieses Theaterstück wurde ins Leben gerufen unter Anreiz des Ministeriums für nationale Bildung, Kinder und Jugend (MENJE) und seiner Arbeit zur Aktualisierung der Daten zur Situation der Jugendlichen in Luxemburg im Jahr 2021. Es ist das Ergebnis eines langen Recherche- und Kreationsprozesses. Wir haben mit drei Personen gesprochen, die zu unterschiedlichen Zeitpunkten an der Arbeit am Stück beteiligt waren. Eine davon ist Rapper Thomas Faber, auch bekannt unter dem Namen Maz, der als Darsteller in der Produktion mitwirkt.

Wie hast du dich in dieses Projekt eingebunden gefühlt? Das Theater ist ja normalerweise nicht dein Fachgebiet, oder?

Ich war auch ehrlich gesagt überrascht, dass das Team an mich gedacht hat! Schauspielern hat mich schon immer interessiert. Da ich aber hauptsächlich als Musiker tätig bin, wollte ich diesen Schritt nicht sofort wagen. Doch durch das Vermischen unterschiedlicher Disziplinen in dem Stück war es eine super Einführung in die Welt des Theaters – auch wenn es letztendlich eine Challenge bleibt. Nachdem man mich kontaktiert hatte, konnte ich alle meine Fragen zum Projekt stellen und ich war schnell davon überzeugt. Das psychische Wohlbefinden junger Leute ist ein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Als Jugendlicher hätte ich selbst gerne an einem der vorbereitenden Workshops teilgenommen, weil ich es gut gefunden hätte, wenn mich einfach mal jemand fragt Wie geht es dir?“ und sich meine Antwort auch wirklich anhört. Ich glaube, das hat mir persönlich gefehlt.

Was hat die Regisseurin Nathalie von dir erwartet?

Ich denke nicht, dass Nathalie bestimmte Dinge von mir erwartet hat. Das Motto war eher Zeig uns, was du kannst!”. Man weiß, dass ich rappen, Texte schreiben und performen kann. Es ging dann eher darum, wie ich mich noch anderweitig in das Stück einbringen kann. In meiner Art zu sprechen habe ich immer einen gewissen Rhythmus, das kommt vom Rappen. In allem, was ich mache, steckt also eine gewisse Musikalität – die habe ich auch während dieses Projekts mit auf die Bühne genommen. Und ich glaube auch, Nathalie fand meine Persönlichkeit interessant für das Projekt. Ich zweifle an vielen Dingen, bin ständig nachdenklich, aufgewühlt und angespannt. Ich konnte meiner Persönlichkeit und gewissen Gesten auf der Bühne treubleiben, auch wenn ich zum Beispiel noch an meinen Bewegungen oder meiner Haltung arbeiten muss, besonders in ruhigen Momenten.

Hast du am Schreiben der Texte oder der Musik mitgearbeitet?

Wir alle haben ein bisschen am Schreiben mancher Entwürfe mitgearbeitet. Durch die Arbeit mit Pyrit, der die Musik für das Stück komponiert hat, hatte ich außerdem die Möglichkeit, auf mein Gebiet zurückzukehren: Musik und Rap. Die zwei, drei Tage, an denen wir gemeinsam gearbeitet haben, sind super gelaufen. Wir waren uns in vielen Dingen einig, insbesondere die Richtung, in die das Projekt gehen soll. Ich habe versucht, mich und meine Musik in das Stück einzubringen. Stellenweise kann man Maz in der Produktion erkennen, ohne aber damit zu übertreiben.

Was mir allerdings Schwierigkeiten bereitet hat, war, dass meine Texte normalerweise super persönlich sind. In diesem Fall musste ich auf die anonym abgegebenen Notizbücher der Jugendlichen aus den Workshops zurückgreifen und habe Themen ausgewählt, die mir nahegingen oder mich berührt haben. Das war eine ganz andere Art des Schreibens. Ich schrieb für mich, aber nicht im Namen von Maz. Für das Stück war ich ein anderer Künstler.

Hilft dir das Schreiben dabei, dich gut zu fühlen?

Auch wenn es echt klischeehaft klingt, ist es wahr: Schreiben ist eine Art von Therapie. In meinen Texten muss ich kein Blatt vor den Mund nehmen, ich kann alles sagen. Es hilft mir also sehr dabei, mich gut zu fühlen. Ich zweifle an vielem, fühle mich oft hin und hergerissen. Aber letzten Endes sind es die Kunst, die Musik, meine Texte und vor allem meine Freunde, die mir dabei helfen, mein psychisches Wohlbefinden aufrecht zu erhalten. Vor einigen Jahren habe ich mich total erwachsen gefühlt und war überzeugt davon, alles zu wissen. Mittlerweile ist mir aber klar, dass ich noch keine fertige“ Persönlichkeit bin und es auch noch dauern wird, bis es so weit ist. Alles in allem ist es aber ein spannender Werdegang, den ich gegen nichts eintauschen würde.

Wie würdest du abschließend das Stück beschreiben?

Ich würde sagen, dass es das wahre Leben darstellt. Es gibt finstere und hoffnungsvolle Momente. In jedem Fall ist es eine intensive und schöne Darstellung.